© Vincent Bauza
Saint-Nazaire

Von der Schleuse zum Hafenbecken

Saint-Nazaire, die Stadt an der Loiremündung und am Atlantik, war schon immer ein Knotenpunkt an einer strategischen Position. Dadurch wurde die Stadt zunächst Vorhafen für Nantes. Der Hafenspaziergang führt Sie auf die Spuren dieser Vergangenheit und erzählt, wie sehr unsere Stadt dem Meer verbunden ist.

 

Von der Schleuse zum Hafenbecken

in Saint-Nazaire

Hafenbecken

Parallel zur großen Schleuse verläuft die rue de l’Ecluse, die wir entlanggehen. Die Schleuse ist 211 m lang, 30 m breit und 6 m tief. Die Bauzeit betrug 11 Jahre, von 1896 bis 1907. Die Einweihung wurde groß gefeiert, mit Ministern, langen Reden und endlosen Festbanketts. Mit dieser neuen Schleuse hatte der Hafen endlich eine Ein- und Ausfahrt, die der immer stärker anwachsenden Größe der Schiffe gerecht wurde. Doch die Schleuse bildete auch eine wahre Schneise durch den ursprünglichen Ort Saint-Nazaire, der dadurch vom Festland abgeschnitten wurde. Auch heute noch ist das „Petit Maroc“, wie dieses Stadtviertel heißt, buchstäblich eine Insel, wenn alle Brücken zum Hafen geöffnet sind.

Am anderen Ende der Schleuse steht ein imposantes Gebäude, das „Building“. Es war in den 1950er Jahren das erste Wohngebäude von solchen Dimensionen, und es hat einige Zeit gedauert, bis es von allen akzeptiert wurde. Heute sind die Wohnungen mit Blick auf den Hafen und die Bucht von Saint-Nazaire sehr begehrte Objekte. Zwischen Schleuse und Hafenbecken liegt die Hebebrücke, die sehr spektakulär ein ganzes Stück Straße hochkippen lässt, wenn ein Schiff ein- oder ausfährt.

Wir lassen die Brücke links liegen und umgehen das Hafenbecken auf der rechten Seite, am quai Demange entlang. Aus diesem Hafenbecken, das von 1848 bis 1856 gebaut wurde, liefen ab 1862 Ozeandampfer nach Zentralamerika aus. Die berühmte Compagnie Générale Transatlantique, auch Transat oder French Line genannt, machte Saint-Nazaire zum Zielhafen für die regelmässigen Linien von und nach Mexiko, Panama, Kuba… Der Hafenbetrieb war eine regelrechte Attraktion, wie man es in einem Text aus den 1860er Jahren lesen kann: hier heißt es Saint-Nazaire, sei eine Stadt „mit tausend Annehmlichkeiten: Theatervorführungen, Konzerten, Bällen, feiner Gesellschaft, Blick auf das Meer und auf ein wunderbares Hafenbecken, in dem man ständig kuriose Ansammlungen von Passagiere aus allen Teilen der Welt sehen kann“. Die Anlagen für die Überseelinien lagen genau da, wo sich seit dem 2. Weltkrieg der U-Bootbunker erhebt, der zum Schutz der deutschen U-Boote gebaut wurde.