© Andrea Klose

Von Seen und Teichen

Ihre Spaziergänge um die Teiche von Saint-Nazaire können Sie gestalten, wie Sie wollen. Ein 20-minütiger Bummel oder ein zweistündiger Rundgang, alles ist möglich. Die Landschaft um die Teiche, die im Frühjahr besonders schön ist, hat Ihnen auch einiges über die Geschichte von Saint-Nazaire zu erzählen… denn alle Teiche sind künstlich angelegt.

 

Von Teich zu Teich

in Saint-Nazaire

Mit seinen mehr als 65 Hektar ist der See Bois-Joalland die größte Wasserfläche an den Toren der Stadt. Sie können problemlos am Seeufer parken, route du Bois-Joalland. Ganz in der Nähe gibt es auch einen Wohnmobill-Stellplatz. Der Weg um den See ist 3,6 km lang und bietet sehr schöne, ständig wechselnde Ausblicke auf den See. Sie kommen an einem Zentrum für Ruder- und Segelsport vorbei, und am anderen Ende des Sees, bei der Route de Reton, können Sie BMX-Fans beim Trainieren auf einer „Buckelpiste“ beobachten.

Nicht weit entfernt von hier warten drei andere Teiche auf Sie: das Becken von Québrais, der langgestreckte Teich Guindreff und ganz am Ende, von Bäumen halb versteckt, der kleine Teich La Belle-Hautière. Spaziergänge können Sie hier von verschiedenen Stellen aus beginnen; parken können Sie z.B. an der route des Bassins, die zwischen den Teichen von Québrais und Guindreff hindurchfährt. An der route de Guindreff, bei der Kreuzung mit der rue Guy de Maupassant, ganz in der Nähe eines alten Brotbackhauses, können Sie ebenfalls Ihr Auto abstellen.

Fußwege zwischen und um die Teiche erlauben „Schleifen“, die Sie ganz nach Lust und Laune kombinieren können. Hier ist alles ruhig, nur Angler und Spaziergänger sind da. Enten, Gänse und Teichhühner gründeln im Wasser, manchmal sieht man ein Paar Haubentaucher oder sogar, mit etwas Glück, einen schillernden Eisvogel.

Diese Teiche sehen so aus, als ob sie schon immer da gewesen wären… doch vor etwas mehr als einem Jahrhundert gab es sie noch gar nicht! Sie wuden angelegt, um ein Problem zu lösen, das im 19. Jahrhundert schwer auf Saint-Nazaire lastete: die Versorgung mit Trinkwasser.

Wasser macht Geschichte(n)

Saint-Nazaire ist zwar von Wasser umgeben, hatte jedoch große Probleme mit der Trinkwasserversorgung, als die Stadt im 19. Jahrhundert ihren Aufschwung nahm. Weder das Wasser aus der Loire mit seinem hohen Salzgehalt noch das Wasser aus dem naheliegenden Moorgebiet Grande Brière war für menschlichen Verbrauch geeignet. Als Saint-Nazaire zu Anfang nur einige hundert Einwohner zählte, konnten diese mit kleinen privaten und einigen öffentlichen Brunnen auskommen. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts, ab dem Bau des Hafens, änderte sich die Lage drastisch, Saint-Nazaire explodierte geradezu: um 1880 hatte die Stadt schon mehr als 13 000 Einwohner, und der Bedarf an Süßwasser war enorm. Die Einwohner brauchten sicheres Trinkwasser, und die Industrie und die Dampfmaschinen der Schiffe schluckten ebenfalls große Mengen Süßwasser.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts war die Trinkwasserversorgung immer noch nicht gesichert. Um Regenwasser aufzufangen, wurden in natürlichen Senken Becken aufgestaut, so entstanden die Teiche Guindreff und La Belle-Hautière. Doch leider war der Ertrag viel geringer als geplant.

Aufwendige Bauarbeiten waren nötig, damit die Becken Québrais und Guindreff endlich ihre Rolle als Trinkwasserresevroit spielen konnten… doch schon kam es zu einer neuen Krise. Im Juni 1917 landeten die ersten amerikanischen Truppen in Saint-Nazaire, wo ein riesiger Militärstützpunkt entstand. Zwischen 1917 und 1919 waren insgesamt nahezu 200 000 amerikanische Soldaten in Saint-Nazaire und der Umgebung stationiert, und der Bedarf an Trink- und Süßwasser war dringender denn je. Die Amerikaner unternahmen gigantische Arbeiten, darunter auch die Anlage des Sees Bois-Joalland im Stadtteil L’Immaculée.

Der See und die Teiche sind immer noch da, und bereiten den Spaziergängern und Anglern viel Freude. Was das Trinkwasser betrfft, so genügt es heute, den Wasserhahn aufzudrehen. Die Versorgung (aus regionalen Quellen) ist gesichert. Und, besonders wichtig: das Wasser ist von ausgezeichneter Qualität!