© Photographe inconnu. Collection Saint-Nazaire Agglomération Tourisme – Écomusée. Fonds Chantiers de l’Atlantique.
Saint-Nazaire

Ein Überseehafen

Schon 1862 wurde Saint-Nazaire, bis dahin ein Dorf, dessen Einwohner hauptsächlich Fischer und Lotsen waren, Überseehafen mit regelmässigen Schiffsverbindungen nach Mittelamerika. Von hier aus betrieb die Compagnie Générale Transatlantique, auch als French Line bekannt, die Postschifflinien nach Mexiko und Panama mit mehreren Anlaufhäfen in der Karibik.

 

Saint-Nazaire

Ein Überseehafen

Eine Geschichte, durch die der Wind vom Atlantik bläst

Dank der Hafenaktivitäten und des Schiffbaus schoss die Stadt geradezu aus dem Boden; um 1900 hatte Saint-Nazaire schon 30 000 Einwohner! In Anspielung auf den Goldrausch in Amerika bekam sie den Spitznamen „das kleine Kalifornien der Bretagne“.

Bis zum 2. Weltkrieg war Saint-Nazaire Umschlagplatz für Reisende und Waren nach und aus Mittelamerika. Doch dann mußten die Anlagen der French Line den riesigen Bauten der deutschen Armee weichen. Nach dem Krieg war die Zeit der Transatlantklinien vorbei, und der Hafen entwickelte sich außerhalb der Stadt: die modernen Terminals wurden und werden entlang der Loiremündung angelegt.

 

Der Erste Weltkrieg

Am 26. Juni 1917 erreichte das erste amerikanische Expeditionskorps Frankreich über den Hafen von Saint-Nazaire. Die Vereinigten Staaten griffen neben den Alliierten in den 1. Weltkrieg ein und machten aus Saint-Nazaire eines ihrer wichtigsten Tore zu den Kriegsschauplätzen in Europa. Zwischen 1917 und 1919 landeten insgesamt 198 000 amerikanische Soldaten in Saint-Nazaire; jeden Tag wurden durchschnittlich 4 000 Tonnen Material hier abgeladen. Knapp 35 000 „Nazairiens“ lernten es, mit 30 000 Amerikanern zu leben; man entdeckte sich gegenseitig, man ging in gemeinsame Konzerte, man prügelte sich, man heiratete…

Der Zweite Weltkrieg

Als die deutschen Truppen im Juni 1940 Saint-Nazaire erreichten, bedeutete dies einen Schock für die Einwohner der Stadt. Die Besatzungstruppen begannen sofort damit, die riesige U-Bootbasis als Teil des Atlantikwalles zu bauen. 14 Boxen boten den deutschen U-Booten Sicherheit, bevor sie wieder in die Nordsee oder den Nordatlantik ausliefen. Die U-Bootbasis begrub die früheren Hafenanlagen unter 480 000 Kubikmeter Beton, und die strategische Bedeutung der Anlage der Kriegsmarine machte aus Saint-Nazaire ein erstrangiges Angriffsziel für alliierte Bomber. Die Stadt wurde erst am 11. Mai 1945, drei Tage nach dem offiziellen Kriegsende, befreit. Sie war zu mehr als 85% zerstört und hatte keinen Grund mehr, sich nach dem Hafen hin auszurichten. Was man dort sah, das waren nicht mehr elegante Ozeandampfer, sondern die riesige U-Bootbasis, ständige Erinnerung an die schlimmsten Stunden, die die Stadt durchgemacht hatte.

„Ville-Port“, die Stadt wendet sich dem Hafen wieder zu

Noch jahrzehntelang nach dem Krieg schmerzte in der Stadt, deren Wiederaufbau dem Hafen den Rücken zuwandte, die Narbe, die dieser 300 Meter lange Bunker zwischen der Stadt und dem Hafen aufgerissen hatte. Ende des 20. Jahrhunderts jedoch rief die Stadtverwaltung ein bedeutendes Städtebauprojekt unter dem Namen „Ville-Port“ („die Stadt – der Hafen“) ins Leben.

Der ehemalige Schandfleck der Stadt ist nun eine erstrangige Attraktion: die U-Bootbasis ist das Herzstück des neuen Touristikangebotes mit Escal’Atlantic, dem einmaligen Erlebnismuseum über Ozeandampfer, das im April 2000 eröffnet wurde. Spazieren Sie durch die ehemaligen U-Bootboxen und geniessen Sie den ungewöhnlichen Blick vom Dach, diesem überdimensionale Aussichtspunkt.

Seitdem wurden im Bunker noch andere Orte für kulturelle Veranstaltungen geschaffen; ringsherum entstanden ein Supermarkt, ein Kino, Hunderte von Wohnungen, das Einkaufszentrum „Ruban Bleu“ („Blaues Band“) und ein Dreisternehotel… Das neue Theater der Stadt wurde 2012 innerhalb des ehemaligen Bahnhofes aus den 1860er Jahren eröffnet.

Zwei Werke wurden speziell für die Biennale zeitgenössischer Kunst „Estuaire Nantes <> Saint-Nazaire“ geschaffen. Es handelt sich um die „Dreiecks-Suite“ (2007) des Schweizer Künstlers Felice Varini (das Gesamtwerk erschließt sich von der Aussichtsterrasse über dem U-Boot Espadon), und den „Garten der 3. Landschaft“ von Gilles Clément, Bäume, die auf dem Dach des U-Bootbunkers gepflanzt wurden und sich im Laufe der Jahre natürlich entwickeln werden. Beide Werke wurden speziell für die Hafenlandschaft konzipiert.

Anders gesehen

Vieux Môle

Der Leuchtturm und die Mole am „Vieux Môle“ (der älteste Teil des Hafens von Saint-Nazaire – 1838) gehören nicht umsonst zu den beliebtesten Instagram-Spots in Saint-Nazaire!

Wir freuen uns auf Ihre Fotos mit Hashtag #SaintNazaireRenversante!